Menü
Umwelt Wasser Geotechnik Kampfmittel
  • Geotechnik

  • Umwelt

  • Kampfmittel

  • Wasser

  • Geophysik

  • Abfall & Rückbau

Kampfmittelvorerkundung

Um die Kampfmittelbelastungssituation in einem Untersuchungsgebiet beurteilen zu können, stellt die Durchführung einer Kampfmittelvorerkundung mit Luftbildauswertung den ersten Erkundungsschritt dar. Bei Bestätigung des Kampfmittelverdachts dient sie der Nachvollziehbarkeit von Art und Umfang der zu erwartenden Kampfmittelbelastung und ermöglicht so eine angepasste und wirtschaftliche Planung ggf. erforderlicher Kampfmittelräummaßnahmen.

Die Kampfmittelvorerkundung besteht aus zwei wesentlichen Teilleistungsbereichen:

  • der Historischen Recherche
  • der Luftbildauswertung

Im Rahmen der Historischen Recherche werden Literatur- und Archivinformationen in lokalen bis hin zu internationalen Archiven beschafft, sowie eine allgemeine Literaturrecherche in einschlägiger Spezialliteratur zu Luftkrieg und Bodenkämpfen im Umfeld des Interessensgebietes durchgeführt.

Eine besondere Bedeutung bei der Durchführung der Recherchen kommt dabei der Quellendokumentation zu. Sämtliche Rechercheergebnisse und daraus gezogene Schlussfolgerungen müssen beleghaft und nachvollziehbar dokumentiert werden. Die konsequente Führung einer ausführlichen Quellendokumentation und deren Referenz im Ergebnisbericht sind hierbei entscheidende Qualitätsmerkmale.

Darüber hinaus werden im Rahmen der Historischen Recherche in nationalen und internationalen Luftbildarchiven Historische Luftbilder ermittelt. Es erfolgt die Auswahl und Beschaffung der zur Auswertung erforderlichen Luftbilder nach fachlichen und wirtschaftlichen Kriterien wie Maßstab, Bildqualität und Aufnahmezeitpunkt. Gerade in den gut beflogenen städtischen Bereichen ist eine gezielte Bildauswahl für die belastbare Befundermittlung völlig ausreichend.

Die beschafften Luftbilder werden zunächst einer thematischen Vorauswertung hinsichtlich potentiell kampfmittelrelevanter Objekte und Strukturen sowie sichtbarer Hinweise auf entsprechende Kriegsereignisse unterzogen. Die Vorauswertung erfolgt (sofern verfügbar) stereoskopisch durch visuelle Interpretation der vorliegenden Aufnahmesituation.


Ausschnitt einer Vorauswertung Luftbild in Überlagerung mit kartierten kampfmittelverdächtigen Objekten. Datenbasis: LBDV Bayern, 2020.

Die beschafften Luftbilder werden zunächst einer thematischen Vorauswertung hinsichtlich potentiell kampfmittelrelevanter Objekte und Strukturen sowie sichtbarer Hinweise auf entsprechende Kriegsereignisse unterzogen. Die Vorauswertung erfolgt (sofern verfügbar) stereoskopisch durch visuelle Interpretation der vorliegenden Aufnahmesituation.

Luftbilder mit kampfmittelrelevanten Objekten, wie bspw. Objekte des militärischen Regelbetriebs (z.B. Laufgräben, Geschützstellungen), Strukturen aus Luftangriffen (z.B. Detonationstrichter, zerstörte Gebäude) oder Bodenkämpfen (z.B. Militärfahrzeuge, Artillerieeinschläge) werden zur Durchführung einer Detailauswertung weiter aufbereitet.

Die wesentlichen Arbeitsschritte sind hierbei:

  • Digitalisierung und Bildbearbeitung
  • Luftbildorientierung (digitale Photogrammetrie)
  • Herstellung von Orthofotos bzw. Orthofotomosaiken

Die so aufbereiteten Luftbilder werden in den vorliegenden Zeitschnitten (multitemporal) digital-stereoskopisch, bspw. an einem Planarsystem, ausgewertet. Die für das Untersuchungsgebiet relevanten kampfmittelverdächtigen Objekte werden in einem Geoinformationssystem (GIS) erfasst und auf Grundlage eines dezidierten Geodatenmodells kategorisiert. Eine besondere Bedeutung kommt hierbei der Registratur von Metainformationen (z.B. Bearbeiter, Bearbeitungsstand, Bildflug-/Bildnummer, Erfassungsdatum, Aufnahmesituation) zu, wodurch die Erfassung der Einzelobjekte jederzeit nachvollziehbar dokumentiert vorliegt.

Beispieldarstellung einer optisch-visuellen Vorauswertung. Hier: luftbildsichtige Gebäudeschäden. Datenbasis: NCAP, Edinburgh.

Eine Erfassung von kampfmittelverdächtigen Objekten oder Flächen (KMVF) kann auch ergänzend auf Basis historischer Karten (z.B. Zerstörungskarten, Kampfmittelbelastungskarten) erfolgen. Diese Karten müssen ebenfalls zunächst bildtechnisch aufbereitet und orientiert werden.

Die o.g. Erfassung kampfmittelverdächtiger Objekte und Flächen ist aufgrund der Eigenschaften der historischen Dokumente (Luftbilder und Karten) hinsichtlich der erzielbaren Lagegenauigkeit eingeschränkt. Diese ist dabei vor allem von den folgenden technische Rahmenbedingungen abhängig:

  • vorliegender Bild-/Kartenmaßstab
  • geometrische Qualität der Aufnahme
  • Verfügbarkeit (Anzahl, Qualität) und Verteilung geeigneter Ground-Control-Points (GCP)
  • angewendetes technisches Verfahren zur Orientierung
Die zu erwartenden Lageungenauigkeiten sind dabei vor allem für die weiterführenden Erkundungs- und Räumungsmaßnahmen von erheblicher Bedeutung und sind deshalb im Rechercheergebnis unbedingt mit anzugeben.

Die Objekterfassung auf Grundlage historischer Luftbilder ist wegen der Abschattungseffekte in Waldbereichen stark eingeschränkt. Selbst bei optimalen Sichtbedingungen und einem unbelaubten Laubwald ergeben sich durch die Schattenwürde immer noch erhebliche Beeinträchtigungen.

Deshalb und aufgrund der in Waldbereichen oftmals geringen anthropogenen Beeinflussung des Untergrundes (im Gegensatz zu Landwirtschafts- und Siedlungsflächen i.d.R. keine oder kaum Bodenbearbeitungsmaßnahmen) empfiehlt es sich die angewandte Methodik um die Auswertung digitaler Geländemodelle (DGM) zu ergänzen.

Diese DGM-Daten werden als Laserscandaten im Rahmen von Landesbefliegungen gewonnen und liegen in der Regel in allen Bundesländern flächendeckend vor. Für die Auswertung auf kampfmittelverdächtige Strukturen sollte hier auf das DGM-1 (Gitterweite 1 m) zurückgegriffen werden. Bis auf Sachsen liegen DGM-1-Daten inzwischen (Stand Nov. 2020) für alle Bundesländer flächendeckend vor.

Die Auswertung der DGM-Daten erfolgt analog zum Vorgehen bei der Auswertung von Luftbildern im GIS über die Vorgaben des Geodatenmodells.

Beispieldarstellung: Laufgrabensystem in DGM1-Schummerung. Datenbasis: LBDV Bayern, 2020.

Im Ergebnis der Kampfmittelvorauswertung mit Luftbildauswertung werden die untersuchten Flächen gemäß den Vorgaben der Baufachlichen Richtlinien Kampfmittelräumung (BFR KMR) bewertet und eingestuft. Je nach Komplexität des Untersuchungsgegenstandes werden kampfmittelverdächtige Flächen (KMVF) ausgewiesen und Verursachungsszenarien (Luftangriffe, Bodenkämpfe, Munitionsvernichtung, milit. Regelbetrieb, Munitionsproduktion/-lagerung) zugeordnet.

Die Erkundungsergebnisse werden in aussagekräftigen Plandarstellungen zusammengefasst, die kampfmittelverdächtigen Objekte mit Koordinatenangaben aufgelistet.

Die Kampfmittelvorerkundung dient dann als Grundlage der Gefährdungsbeurteilung und der ggf. notwendigen Planung weiterführender Maßnahmen. Von der Messplanung bis hin zur Störpunktbergung im Rahmen der Kampfmittelräumung liefert eine fundierte Kampfmittelvorerkundung wichtige Grundlagen und führt so zur effektiven Kostenreduktion im weiteren Verfahren.

Falls Sie noch weitergehende Fragen, beispielsweise zu technischen Details oder Qualitätsanforderungen haben, nehmen Sie gerne jederzeit Kontakt mit uns auf!